
Ein Glas voller Perlen © 2009 KTraintinger
Vor ein paar Tagen kam ein ca. 400 kg schwerer Maststier zur Schlachtung.
Vorbericht des Landwirtes: “Der Stier frißt seit 2 Tagen schlecht und hat Probleme beim Ausstehen, wenn er dann steht macht er einen Buckel und geht dabei wieder in die Knie, wahrscheinlich hat er sich verletzt oder es ist ihm eine anderer Stier auf den Schwanz gestiegen. Solche Stiere werden auch meist nach der Behandlung durch den Tierarzt nicht besser, deshalb lasse ich ihn lieber gleich schlachten. Bei der Lebenduntersuchung vor der Schlachtung hatte das Tier 39,8°C Fieber und offensichtlich Schmerzen. Nach einem Rückruf beim Landwirt, er wollte keine zusätzlichen Kosten, ließ ich den Stier aus Tierschutzgründen sofort töten.

Das Tier wurde noch am Lastwagen getötet.
Um dem Tier zusätzliche Schmerzen zu ersparen, wurde es noch am Lastwagen getötet. Eine Verwertung des Fleisches war sowieso ausgeschlossen.
Nach dem Aufschneiden des Beckens sah man den Grund für die Erkrankung des Stieres, er hatte eine blutige Harnblasenentzündung. Der Metzger sagte mit, auch den Penis hätte am oberen Ende eine unnatürliche Ausbuchtung gehabt und beim Durchschneiden hatte er ein Gefühl, als würde er durch Sand schneiden. Vermutlich hatte sich nach dem Absetzten des Penis die volle Harnblase in den Bauch entleert, dem Inhalt und Geruch nach zu schließen. Links hinter der Blase sieht man die stark verbrößerte Niere.

Blase und Niere
Die abgesetzten Organe. Die Niere war etwa 5x so groß wie normal, am Bild ist sie noch im Nierenfett eingehüllt.

Harnsteine
Nach dem Eröffnen der Blase sah man den Grund für die Probleme des Stieres, sie war voll mit perlenartigen, zwischen 1 und 10 mm großen Harnsteinen, die die Harnröhre verlegt hatten. Dazwischen waren Blutkoagula zu finden.

Die freigelegte und durchgeschnittene Niere
In der Niere konnte ich auch nach gründlicher Suche keine Steine finden, die Veränderungen sind im Harnrückstau begründet. Die Funktion war sicherlich schon stark eingeschränkt.

Harnsteine, kugelrund und perlenähnlich
Der gesamte Schlachtkörper roch stark nach Harn, auch war die Fleischkonstistenz und Farbe nicht entsprechend.
Diskussion
Harnsteine gibt es beim Rind beiderlei Geschlechts und jeder Altersstufe immer wieder einmal, klinische Probleme sieht man in unseren Breiten eher selten. Ab und zu findet man Harnsteine als Zufallsbefund am Schlachthof. Die Ursache ist in einer Störung der Löslichkeitsverhältnisse der Mineralsalze im Harn zu suchen. Besonders gefährlich sind die Harnsteine bei männlichen Tieren, da es hier leicht zu einer Verstopfung der Harnröhre kommen kann.
Die Harnsteine können aus verschiedenen anorganischen und organischen Bestandteilen bestehen: Silikatsteine, Karbonatsteine, Phosphatsteine und Mischformen daraus. Reine Oxalatsteine und Steine nur aus organischen Materialien sind eher selten. Beim Rind spielt die Futterzusammensetzung eine gewisse Rolle.
Klinik:
Es gibt meist nur dann Probleme, wenn es zu einer Harnröhrenverstopfung kommt. Die Probleme setzen plötzlich und in der Regel sehr heftig ein. Anfangs zeigen die Tiere starke Kolikerscheinungen, die plötzlich beginnen und aufhören können und sich ab und zu wiederholen. Hochgradige Unruhe, ängstlicher Blick und Schlagen mit den Hinterbeinen gegen den Bauch sind zu beobachten. Ein erfolgloses Pressen auf Harn mit Aufkrümmen des Rückens ergänzen das Krankheitsbild. Häufig sind die Präputialhaare trocken, oft spürt man Salzkristalle bei der Untersuchung. Rektal fühlt man die prall gefüllte Harnblase. Bei vollständiger Verlegung des Harnleiters können nach 1-2 Tagen eine Ruptur desselben sowie ein Zerplatzen der Harnblase folgen. Die darauf einsetzende Harnvergiftung verursacht schnell schwere Allgemeinerscheinungen und die Tiere sterben meist innerhalb einer Woche.
Homöopathie
Ab und zu kann man mit Sabal serr. helfen, allerdings nur dann, wenn nur ein Stein die Harnröhre verlegt. Aufgelöst werde die Harnsteine nicht, das beschränkt auch die Wirkung von Sabal, dem “homöopathischen Katheter.”

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